Sibylle Birkenmeier ist in eine Doppellehrerfamilie hinein geboren, als älteste von 5 Geschwistern. Sie fand das Leben dort nicht ganz so lustig, wie sie es sich vorgestellt hatte. Ihre grossen Vorbilder holte sie sich deshalb sehr früh ausserhalb der Familie, jenseits der Schweizer Grenzen. Die Elsässer Gemüsefrau: ihr Wagen ist die Bühne, auf der sie die Lebensmittel aus dem eigenen Garten in die Stadt bringt. Selbstgemachtes grenzüberschreitend darbieten - genau das ist Sibylle später auch geworden, Gemüsefrau, oder sagen wir einfach Kabarettistin.

Sie hat in Essen an der Folkwang-Schule die Ausbildung zur Schauspielerin gemacht. Ihr erstes Engagement bekam sie bei ihrer Chanson-Lehrerin Lore Lorentz am Düsseldorfer Kommödchen. Nach ein paar Jahren an Deutschen Staatstheatern machte Sie sich selbstständig, erst mit Solo-Projekten, dann ab 1983 als Kabarett-Duo zusammen mit ihrem Bruder Michael Birkenmeier.

Begeistertes Publikum und beste Presse im In- und Ausland begleitete die beiden, in wenigen Jahren erhielt das Duo alle wichtigen Kabarett-Preise wie den Salzburger Stier, die Oltener Tanne und den Deutschen Kleinkunstpreis.

«Sie orientieren sich nicht nur vordergründig an den Tagesaktualitäten, sondern unterwandern fantasiereich die Realität und haben durch Ihren Assoziationsreichtum eine eigenständige Kunstform entwickelt. Das Duo besticht durch die Vielfalt der beherrschten Formen.» (Aus der Laudatio des Deutschen Kleinkunstpreises)

In den letzten 30 Jahren entstanden so über 10 Kabarett-Programme (Dasein im Design, Der Mund ist aufgegangen, Phantom of Europera, Kettenriss etc.) Dazu 3 Soli. Sibylle ist die Verbindung von Kabarett und Theater, von satirischem Biss und anspruchsvoller Bühnenarbeit ein stetes Anliegen. So entstanden die Programme immer in Zusammenarbeit mit namhaften Theater-Regisseuren: Peter Schweiger, Sebastian Nübling, Ferrucio Cainero, Saskia Mees u.a.

„Ruhe gibt es nicht“ – dieser Titel eines Kabarett-Programms über die Geschwister Klaus und Erika Mann kann durchaus auch als Motto für ihre Arbeit stehen. Nie haben sie sich auf einem erfolgreichen Programm ausgeruht. Jedes Programm ist eine Neuschöpfung, sucht neue Wege. So ist die Veränderung ihr persönlicher Stil geworden. Konstant bleibt: Der engagierte Kampf für den lebendigen Menschen.

Heute, seit gut 30 Jahren mit ihrem Bruder zusammen unterwegs, sagt sie:

"Ja, so lange schon, ich mit ihm und vor allem er mit mir. Das kann man sehen wie man will. Wir staunen selber. Aber es ist wahr!" 

 

"Bitte nicht berühren..." ist für mich schon immer kein Verbot, sondern eine Aufforderung gewesen. Heute Kabarett zu machen, ist wieder spannend. Sehr ähnlich und doch ganz anders als zur Zeit von Erika Mann und deren Pfeffermühle. Der heutige Faschismus lebt subkutan, ganz selbstverständlich als gerechtfertigte "integrierte" Haltung. Diese macht Politik, Wirtschaft und auch Kultur und Bildung.